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Shorttrack, Weltcup in Peking, 3. Tag

Author: Redaktion Sunday, October 31st, 2004 No Commented Under: Eisschnelllauf

Unerwarteter Coup von André Hartwig

Dass ein deutscher Läufer im Finale eines Weltcups steht, hat es in der Vorsaison erstmals gegeben. Dass sich solche Ergebnisse – Top-Form und günstige Konstellation vorausgesetzt – in dieser Saison wiederholen, hoffte nicht nur Shorttrack-Cheftrainer Jürgen Dennhardt. Dass dies jedoch ausgerechnet Shorttracker André Hartwig gelingt, damit hätte vor Peking wohl keiner gerechnet: Über 1000 Meter erreichte der Rostocker überraschend den Endlauf und belegte Platz vier. Zuvor hatten die DESG-Staffelteams der Herren und Damen WM-Kurs eingeschlagen: Sie belegten in Peking jeweils Platz fünf und liegen im Weltcup nach dem ersten Drittel auf den Plätzen fünf bzw. sieben. Für die Weltmeisterschaft im März in Peking qualifizieren sich die acht Erstplatzierten.

Ein Klasse für sich waren wiederum die Südkoreaner, die neun von zehn Pekinger Weltcup-Entscheidungen gewannen. Im Mehrkampf setzen sich beim zweiten Weltcup Weltmeister Ahn Hyung-Soo sowie Kang Yun-Mi (beide Südkorea) durch, Yvonne Kunze (Dresden) belegte Rang 13. In der Gesamtwertung, die Weltmeisterin Choi Eun-Kyung (Südkorea) sowie punktgleich Ahn und 1500-m-Olympiasieger Apolo Ohno (USA) anführen, liegt Kunze auf Platz neun. Gar Sechste ist Kunze im 1000-m-Weltcup nach den Plätzen 5 in Harbin und 12 in Peking.

Obwohl André Hartwig bei seinem Finaleinzug über vier Qualifikationsrunden mehrmals von der Disqualifikation von Konkurrenten profitierte, wollte Shorttrack-Cheftrainer Jürgen Dennhardt den Erfolg keinesfalls auf Glück reduziert wissen: “André ist sehr offensiv gelaufen, immer mit den Favoriten mit, und in so einer Situation muss dann jeder mit vollem Risiko laufen. Von den harten Positionskämpfen hat er also nicht nur profitiert, sondern sie mit ausgelöst.”

Zudem, so Dennhardt, sei es so etwas wie ausgleichende Gerechtigkeit für den von der Damen-Staffel verpassten Endlauf. In der viertletzten von 27 Runden im Halbinale war die unbedrängt auf Platz zwei gelegene Ulrike Lehmann (Rostock) gestürzt. Dennhardt: “Man hat aber gesehen, wie stark unsere Staffeln sind, wir liegen unter den ersten sechs der Welt, auch von den Zeiten her.” Im Halbfinale der 5000-m-Staffeln waren die deutschen Männer mit Hartwig, Arian Nachbar (Rostock), Sebastian Praus (Mainz) und Thomas Bauer (München) in 6:55,049 min neuen Deutschen Rekord gelaufen. Tina Grassows 1:35,591 min im Vorlauf waren zudem neuer Deutscher Rekord der B-Junioren.

Ergebnisüberblick: www.speedskatingnews.infohttps://www.speedskatingnews.info/results/?eventID=2309

Ergebnisse im Detail: https://209.251.71.141/interlynx/index.asp?VIEW=RESULTS&COMPETITIONID=315
Überraschte in Peking: Andre Hartwig (links) - Foto: Archiv (bilderkueche.de)
Im Gespräch: André Hartwig (ESV Turbine Rostock)

André, Glückwunsch zum 1000-m-Finale. Wie fühlt man sich als Vierter eines Weltcups?

Danke, sehr gut. Aber so richtig verarbeitet, was ich geschafft habe, habe ich noch nicht.

Wird jetzt gefeiert?

Ja, ein bisschen, wir sind gerade bei dem Weltcup-Abschlussbankett.

Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Anders kann man das nicht sagen. Ich hab immer versucht, mit vorn zu laufen und wurde in Positionskämpfe verwickelt, wurde auch in die Zange genommen, da ist es normal, dass dann Disqualifikationen folgen. Und dass man im Shorttrack auch manchmal eine Portion Glück beraucht, ist ja bekannt.

Für den Tüchtigen, möchten man anfügen. Hatten Sie schon Kontakt nach Hause?

Ja, gleich nach dem Wettkampf, da war es in Rostock ja noch ganz früh. Ich hab erst mal gesagt: Ehe ihr im Internet nach Ergebnissen schaut, haltet Euch gut fest!

Mit der Staffel sind sie mit Deutschen Rekord und Platz fünf auch sehr gut gelaufen.

Ja, unbedingt. Wir liegen im Weltcup jetzt auf Platz fünf, und hoffen, dass wir auch bei den beiden Weltcups in Nordamerika punkten können, denn wir wollen diesmal unbedingt die WM-Qualifikation schaffen, also unter die ersten acht im Weltcup.

Die Damen haben ja sogar beinahe den Endlauf erreicht. Haben Sie das Rennen verfolgt?

Natürlich, und wir haben die Mädels eigentlich schon im Finale gesehen, als Ulrike Lehmann hinfiel. Das ist natürlich super-ärgerlich, aber man muss auch sagen: So ein Missgeschick kann jedem passieren. Und es ist besser, wenn es jetzt passiert, als zum Beispiel bei einer WM oder bei der Olympiaqualifikation.

Gespräch: Matthias Opatz

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